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DIE DEUTSCHEN UND DIE REVOLUTION: LENIN UND DER KAISER

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Für diese Welt von morgen konstruieren Ingenieure der Meijo-Universität von Nagoya den Prototyp der wohl letzten Eisenbahn-Generation -- einen Gleitzug. Ein Schwellenland ist ein Staat, der traditionell noch zu den Entwicklungsländern gezählt wird, aber nicht mehr deren typische Merkmale aufweist.

Der Fairtrade-Code ist eine stellige Zahlenkombination, die sich gut sichtbar auf der Verpackung, dem Aufkleber, Etikett oder Anhänger des Produkts befindet.

Das verstärkte die Energienachfrage und trug mit zum Anstieg des Ölpreises bei. Zahlreiche Investmentfonds fokussierten ihre Anlagen auf die Schwellenländer bzw.

Nach der Finanzkrise verstärkte sich der Kapitalzufluss in die Schwellenländer wegen der Niedrig- bzw. Nullzinspolitik in den USA und Europa. Insgesamt flossen durch den Rohstoff- und Industrialisierungsboom von bis ca.

Die deutschen Kapitalexporte verdreifachten sich zwischen und ; der Anteil der Schwellen- und Entwicklungsländer stieg dabei besonders stark an. Vor allem aber internationale Bergbaukonzerne verschuldeten sich hoch, um sich den Zugriff auf Rohstoffreserven zu sichern. Ebenso stiegen die Staatsverschuldung der Schwellenländer sowie besonders in Malaysia und Thailand der Verschuldungsgrad privater Haushalte.

Indien setzte hingegen auf die staatliche Förderung des privaten Konsums, was ein hohes Leistungsbilanzdefizit zur Folge hatte. Der kreditfinanzierte Investitionsboom in vielen Schwellenländern mit teils gigantischen Infrastruktur- und privaten Immobilienprojekten zog einen Abbau der Arbeitslosigkeit und einen deutlichen Anstieg des Wohlstands vieler privater Haushalte nach sich.

Der Rohstoffboom ergriff auch Industrieländer wie Australien und Kanada und befeuerte dort das Wirtschaftswachstum, führte aber dazu, dass der relative Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen an der Bruttowertschöpfung dieser Staaten zurückging und sie sich wieder den faktorbasierten Ökonomien annäherten, deren Wachstum vor allem auf extraktiven Industrien basiert.

Auch konnte das Handelsbilanzdefizit der USA und vieler EU-Staaten im Verhältnis zu China mit billigem Zentralbankgeld finanziert werden, wodurch für diese Staaten der Anreiz, eine wettbewerbsfähige Industrie zu erhalten, verringert wurde. Zudem gab es in den letzten Jahren wenig attraktiven Anlagealternativen. Dabei gerieten immer mehr Schwellenländer aus der zweiten Reihe ins Visier spekulativer Investoren.

Hinzu kamen die wegen der in manchen Ländern teils fünfzehn Jahre anhaltenden Prosperitätsphase unterlassenen Strukturreformen z. Bürokratieabbau, Reform der Landwirtschaft, Ausbau der Infrastruktur , die die Effektivität der Investitionen und die Steigerung der Arbeitsproduktivität behinderten. So erlebte Indonesien von bis eine weitgehend ungestörte Boomphase, die den bescheidenen Wohlstand in den Städten vermehrte, allerdings auf Java zentriert blieb und nicht zur Entwicklung der Human Resources und der maroden Infrastruktur genutzt wurde.

Eine Rolle spielen auch politische Faktoren wie die Streikwelle und die allgemein krisenhaften Arbeitsbeziehungen in Südafrika oder der im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum viel zu langsame Ausbau des Bildungswesens in Brasilien und Indonesien. Auch in Thailand hielt der Ausbau der Infrastruktur nicht Schritt mit dem Wachstum, das sich stark auf die Region Bangkok konzentrierte. In Nigeria , das sich selbst als Schwellenland versteht, aber aufgrund sozialökonomischer Indikatoren zu den Entwicklungsländern gerechnet werden muss, konkurrieren die Eliten zahlreicher ethnischer Gruppen um die Erlöse aus dem Ölexport.

Zusätzlich zu den ethnischen und religiösen Spannungen bremsen Terrorismus, Klientelismus und eine marode Infrastruktur die Entwicklung. Trotz steigender Lohnkosten vor allem in den rohstoffproduzierenden Sektoren gelang es in vielen Schwellenländern nicht, die extreme soziale Ungleichheit zu reduzieren. China sogar weiter an, so z. Ein entscheidender Faktor für die Zuspitzung der Wachstumskrise im Jahr war jedoch die durch die niedrigen Zinsen und die staatliche chinesische Politik unterstützte Blasenbildung auf den Immobilien- und Finanzmärkten Chinas.

Ursächlich für den Einbruch der Exporterlöse der Schwellenländer war vor allem der Verfall der Ölpreise seit April Dieser war bedingt durch die vorausgehende starke Expansion der Förderung, die — gemessen am infolge der Energiewende nur langsam wachsenden Bedarf — zu Überkapazitäten führte.

Bis war der Export von US-Rohöl verboten. Saudi-Arabien erreichte Ende ein neues Fördermaximum, Angola expandierte die Förderung, und auch der Irak erreichte neue Rekordwerte, wenn auch um den Preis einer raschen Erschöpfung von Ölfeldern. Auch Russland drosselte seine Produktion nicht, da der Rubelkurs im Verhältnis zum Dollar schneller fiel als der Ölpreis, so dass die in Rubel anfallenden Förderkosten im Verhältnis zu den Dollarerlösen sogar sanken.

So erzielte Rosneft im zweiten Quartal erhebliche Umsatz- und Gewinnzuwächse. Nur der international stärker engagierte privat geführte Lukoil -Konzern, der in Dollar berichtet, erlitt einen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr Nur in Mexiko fiel die Förderung so stark, dass das Parlament die Aufhebung des staatlichen Monopols der PEMEX , die die erforderlichen Investitionen nicht mehr aufbringen konnte, und die Zulassung privater Förderunternehmen beschloss.

Durch den Ölpreisverfall sanken staatliche Einnahmen und Unternehmensgewinne der Öl und Gas fördernden bzw. In der Folge sank auch der Gaspreis. Zur Kompensation der zurückgehenden Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf warfen diese und andere Länder andere Rohstoffe auf den Markt, was neben der sinkenden Nachfrage Chinas ebenfalls zu deren Preisverfall beitrug.

Auch Kohle-, Zink-, Blei- und Platinpreis fielen. Insgesamt erreichten die Rohstoffpreise im August weltweit ein Jahres-Tief, während die Förderung nur langsam zurückging. Infolge des Preisverfalls stieg die Verschuldung von rohstoffexportierenden Staaten, aber auch von rohstofffördernden Unternehmen, die wegen der niedrigen Zinsen in den USA und Europa Dollar- und Eurokredite aufgenommen hatten, innerhalb kurzer Zeit an.

Als im Sommer Zinserhöhungen in den USA für den Herbst des Jahres angekündigt wurden, setzte eine massive Kapitalflucht aus den Schwellenländern ein, was dort zu stark fallenden Börsenkursen führte. Der malaysische Ringgit fiel auf den Tiefststand seit Die Inflation nahm in allen diesen Ländern zu, ohne dass durch den Kursverfall die Exporte nennenswert gesteigert werden konnten.

China weist zwar immer noch ein im Vergleich zu Europa beachtliches Wachstum auf, doch sank es auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Diese Entwicklung spielte eine katalytische Rolle für die Wachstumskrise in anderen Schwellenländern. Hatte China die Folgen der Finanzkrise durch einen gigantischen Investitionsboom zu kompensieren versucht, zeigte sich Jahre später, dass der unkoordinierte, durch Bankkredite geförderte Ausbau von Industrien in den Provinzen zu Überkapazitäten in zahlreichen Wirtschaftszweigen geführt hatte, für deren Produkte kaum Absatzchancen bestanden.

Die Kapazitäten der Stahl- und in der Papier- und Pappeproduktion waren nur noch zu 67 Prozent ausgelastet; schwach war ebenfalls die Auslastung der Raffinerien, Kohlebergwerke, Werften, Zementfabriken, Industrieglasfabriken sowie in einigen Agrarsparten u. Das zeigte das Versagen der staatlichen Lenkung: Der geplante Umbau der chinesischen Wirtschaft von Massenproduktion zur Hochtechnologie und binnenmarktorientierten Dienstleistungsökonomie verlief nicht ohne gravierende Verwerfungen.

So waren Ende in China etwa Bis sollen 4. Die Investitionen in staatsnahe Unternehmen erlaubten diesen, zu Dumpingpreisen zu exportieren. Die Abwanderung vom Lande in die Stadt und insbesondere in die Städte der Küstenzone beschleunigte sich mit der Zunahme der Investitionen und dem steigenden Wohlstand. Lag der Urbanisierungsgrad in China bei 26 Prozent, so leben heute ca. Im Hinterland kam es hingegen zu massiven Immobilienleerständen in Städten jenseits der ersten Reihe.

Die Gesamtverschuldung Chinas war durch den Investitionsboom von Prozent des Bruttoinlandprodukts auf Prozent im Jahr gestiegen und überschritt damit relativ die Verschuldung der USA.

Dabei spielen weniger die Zentralregierung als vielmehr die Lokalregierungen die treibende Rolle; sie finanzierten sich durch den Verkauf von Landnutzungsrechten und förderten damit die Immobilienblase. Wegen sinkender Erzeugerpreise sind viele Unternehmen nicht in der Lage, ihre Kredite zurückzuzahlen.

Juni bis zum August fiel er dann um ca. In China schmolzen die Devisenreserven, die wegen der hohen Exportüberschüsse noch Anfang einen Rekordwert von über 3,8 Billionen US-Dollar erreicht hatten; [43] die mehrfache Abwertung der chinesischen Währung sollte vor allem die Devisenreserven stabilisieren, die Anfang nur noch 3,3 Billionen Dollar betrugen. Die private Verschuldung in den Schwellenländern insgesamt ist auf etwa Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung gestiegen; das ist mehr als zu Beginn der Schwellenländerkrise Die privaten Dollar- und Euroschulden können wegen des Währungsverfalls in vielen Schwellenländern nicht mehr bedient werden.

Besonders sind davon die Mittelschichten betroffen. Das ist der höchste Stand seit 25 Jahren. So verschlingt hier der monatliche Schuldendienst allein mehr als 25 Prozent des Nettoeinkommens und schmälert dadurch den Konsum erheblich. Der weitere Verlauf und die Auswirkungen der Entwicklung sind derzeit Januar noch nicht genau absehbar, am wenigsten wohl im Falle Chinas.

Dort sind weitere Beeinträchtigungen des Konsums und der privaten Investitionen zu erwarten. Die Staatsverschuldung der meisten Schwellenländer war in den Jahren vor der Finanzkrise war aufgrund der wachsenden Erlöse aus den Ölexporten gesunken.

Sie war — bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt — im Vergleich zu den Industrieländern sogar recht gering Russland 18, China 41, Brasilien 65 Prozent, im Vergleich zu Deutschland 75 und Japan Prozent. Zumal wenn die Kredite in Hartwährungen aufgenommen wurden und die Exporterlöse sinken, führt dies durch den Währungsverfall zu Haushaltskrisen und inflationären Entwicklungen.

Etwa ein Viertel aller Dollarschulden ca. Das im Jahr sinkende Bruttoinlandsprodukt in Algerien, Argentinien, Australien, Brasilien, Mexiko, Russland und der Türkei — in Venezuela hier schrumpfte die Wirtschaft bereits im dritten Jahr hintereinander — trug zur Erhöhung der relativen Schuldenlast dieser Staaten bei. Zu optimistische Wachstumsprognosen durch die Geberländer, fehlende Bonitätsprüfungen, schlechtes Schuldenmanagement, Misswirtschaft und Korruption verschärften die Situation zusätzlich.

Die Importe der Schwellenländer gingen nicht nur bei Maschinen und Ausrüstungen zurück, sondern auch bei hochwertigen Konsumgütern v. Afrikas Rohstoff- und Agrargüterexporte waren durch die sinkende Nachfrage Chinas und die Unterbrechung des Aufbaus von Infrastrukturen zur Rohstoffgewinnung besonders betroffen; aber auch die Förderung in Chile, Peru, Bolivien, Australien und Kasachstan ging zurück.

Die oft vorhergesagte stärkere Verflechtung der Ökonomien der Schwellenländer untereinander zur Reduzierung ihrer Abhängigkeit von den Industrieländern [47] ist — mit Ausnahme der aktiven Rolle, die China z. In Deutschland waren die Automobil-, Autozuliefer- und Elektroindustrie, der Maschinenbau, dessen Hauptabnehmer China ist, sowie die autonahe chemische Industrie betroffen.

Shell stellte im September nach 10 Jahren die Tiefseebohrung in der Arktis ein. Auch andere Bergbausparten mussten ihre Investitionen abschreiben oder einige ihrer Minen verkaufen. Andere Bergbauunternehmen wie Anglo American konnten mit ihren Einkünften aus dem operativen Geschäft nicht einmal mehr ihre Kreditzinsen erwirtschaften; etwa die Hälfte der Die Tochtergesellschaft, die südafrikanische Anglo Platinum , verzeichnete wegen des Einbruchs des Platinpreises für erstmals hohe Verluste.

Auch der staatliche chilenische Kupferkonzern Codelco , der mit etwa 25 Prozent zu den Staatseinnahmen beiträgt, litt unter sinkenden Erlösen und stark steigenden Abbaukosten. Ebenso sanken in Brasilien die Exporterlöse der Eisenerzminen. Rio Tinto stellte bereits kurz nach Beginn der Förderung im Sommer den weiteren Ausbau der Kupfer- und Goldlagerstätte Ojuu Tolgoi in der Mongolei ein, deren Erlöse ein Drittel des mongolischen Bruttoinlandprodukts ausmachen sollte.

Das Land hatte sich in Erwartung des Booms stark verschuldet und stand kurz vor dem Staatsbankrott. Während die multinationalen Ölkonzerne von bis nach Berechnungen der Boston Consulting Group ihre Explorationsausgaben von 25 auf fast Milliarden US-Dollar vervierfacht und ihre Schulden verdreifacht haben, blieb das Volumen neu erschlossener Reserven in dieser Zeit unverändert bei 20 Milliarden Barrel Öläquivalent. Moissej Urizki etwa, später Chef der Petrograder Geheimpolizei Tscheka , arbeitete für Helphand; auch Jakob Fürstenberg, einer der engsten Vertrauten Lenins und nach der Oktoberrevolution Leiter der sowjetischen Nationalbank, oder der diskrete Anwalt Mieczyslaw Koslowski, der die Tscheka mitbegründete.

Man kannte sich und Parvus aus der Exilzeit, war untereinander oft verwandt, was die Bereitschaft zu Loyalität und Verschwiegenheit noch verstärkte. Als Stützpunkt wählte Helphand Kopenhagen, operierte aber auch von Stockholm aus, denn Dänemark wie Schweden blieben während des Ersten Weltkriegs neutral, und Schweden hatte damals noch eine gemeinsame Grenze mit Russland.

In Absprache mit den Diplomaten gründete er ein Exportunternehmen, das sich den Zusammenbruch des Osthandels infolge des Krieges zunutze machen sollte: Helphands Teilhaber wurde ein Berliner Kaufmann, der im Sold des deutschen Nachrichtendienstes stand; und Lenins Vertrauter Fürstenberg, ein polyglotter Finanzakrobat von hoher Verschwiegenheit, übernahm die Geschäftsführung.

Für die deutschen Revolutionsexperten war das kein ungewöhnliches Arrangement. Sie verbargen häufig Parteispenden hinter kommerziellen Aktivitäten. Einem anderen Genossen kaufte man das Patent für einen Sterilisierungsapparat ab, damit er seinen plötzlichen Wohlstand erklären konnte, den er für die Sache des Sozialismus einsetzte.

Teils legal, teils mit Hilfe falscher Deklarierungen und durch Schmuggel im- und exportierte er ins oder aus dem Zarenreich Buntmetalle und Chemikalien, gebrauchte Autos und Fischereifahrzeuge, Medikamente, Kondome, Kognak, Kaviar, Bleistifte, Getreide, Walöl und vieles mehr. Das Unternehmen, welches die Waren jenseits der russischen Grenze auf dem Schwarzmarkt verkaufte, beschäftigte als Justitiar den Rechtsanwalt Koslowski.

Die Buchhalterin, welche die Erlöse nach Kopenhagen beziehungsweise Stockholm transferierte, war mit Fürstenberg verwandt. Kaum anzunehmen, dass Lenin dieses Netzwerk nicht genutzt hat, um Geld nach Petrograd bringen zu lassen oder auch einen Teil der in Russland erzielten Erlöse in die Parteikasse zu lenken.

Bezeichnenderweise fand sich später die Firmenadresse des Helphandschen Unternehmens in Lenins schmalem Adressbuch. Für die Revolutionsarbeit brauchten die Bolschewiki Geld. Wie eine hässliche Narbe zog sich damals die Ostfront vom Baltikum quer durch Europa bis ans Mittelmeer.

Gut Kilometer mussten die Revolutionäre von Stockholm nach Norden fahren, bis nach Haparanda, einen kleinen Ort an der schwedisch-russischen Grenze, nahe am Polarkreis. Die russischen Beamten mussten geschmiert, mit falschen Papieren überlistet oder auf andere Weise geleimt werden. Briefe Lenins wurden in eigens präparierten Schuhen oder im Korsett versteckt. Im Winter brachten Schlitten die revolutionäre Fracht über das Eis. Später verklärte die sowjetische Propaganda die Bolschewiki zu Superrevolutionären, was kalte Krieger im Westen gern glaubten.

Doch ideologisch unverdächtige Beobachter berichten von Korruption unter den Genossen. Lieferungen mit Flugblättern und Büchern gingen verloren; einer der Kuriere nahm auf eigene Faust alles heraus, was er für militärische Geheimnisse hielt, um unbedarfte Parteifreunde auf der finnisch-russischen Seite nicht zu gefährden.

Auch zeigte sich die zaristische Geheimpolizei erstaunlich gut informiert, wie aus Dokumenten hervorgeht, die von der Publizistin Elisabeth Heresch in Moskau entdeckt und unter dem Titel "Geheimakte Parvus. Die gekaufte Revolution" publiziert wurden. Selbst Helphand erlitt Rückschläge. Seine revolutionäre Organisation sei in der Lage, in Petrograd "binnen 24 Stunden mindestens Arbeiter" mobilzumachen. Im Herbst stand das deutsche Heer tief auf dem Territorium des Zarenreichs.

Hunderttausende russische Soldaten waren gefallen. Und unter dem andauernden Druck des Kriegs brach die russische Wirtschaft zusammen. Ende mussten Betriebe die Produktion einstellen, weil es an Rohstoffen mangelte. Auf dem Land fehlte es an Bauern und Pferden. In Petrograd und Moskau wurden die Mehlvorräte knapp.

Zunächst demonstrierten die Arbeiter; am 8. März - dem Internationalen Frauentag - schlossen sich in Petrograd Tausende Frauen an, die vor Lebensmittelläden Schlange standen.

Einem Steppenbrand gleich griff der Protest auf das ganze Reich über. Der völlig überforderte Zar musste den Thron aufgeben. In ihm spielten die Bolschewiki zunächst nur eine Nebenrolle. Die neuen Machthaber etablierten das bis dahin liberalste Regime der russischen Geschichte: Das Reich befand sich "auf dem besten Wege zu einer demokratischen Regierungsform", urteilt der Historiker Manfred Hildermeier.

Den Krieg allerdings wollte man nicht beenden, solange der Preis dafür die deutsche Hegemonie in Osteuropa war. Für Lenin kam die ganze Entwicklung überraschend. Anfang hatte der Jährige noch erklärt, seine Generation werde vermutlich die Revolution nicht mehr erleben. Eine Rückkehr über Frankreich oder England blieb ausgeschlossen; die Entente-Mächte hatten kein Interesse daran, ausgerechnet Lenin nach Russland zu lassen, der ein sofortiges Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg verlangte.

Davon abgesehen fürchteten Lenin und Genossen, bei einer Fahrt über Nord- und Ostsee versehentlich von deutschen U-Booten torpediert zu werden. Mal erwog Lenin, sich als taubstummer Schwede auszugeben und incognito durch Deutschland zu reisen, mal mit einem Flugzeug heimlich über die Ostfront zu fliegen.

Am Ende schloss er sich dem Vorschlag anderer linker Emigranten aus Russland und Polen an, die für die Fahrt mit der Eisenbahn durch Deutschland und Skandinavien plädierten. Ein riskantes Unterfangen, denn dieser Schritt konnte nur mit Zustimmung der kaiserlichen Behörden erfolgen, und Lenin und die anderen fürchteten, sich zu kompromittieren.

Mit 31 Personen machte sich Lenin auf den Weg, darunter auch mehrere Mitglieder anderer linker Splittergruppen und Familienangehörige. Etwa hundert Russen hatten sich versammelt, die einen "schimpften wie die Rohrspatzen, sie brüllten, die Reisenden seien alle deutsche Spitzel und Provokateure oder 'man wird euch alle aufhängen, ihr Judenhetzer'".

Ein junger Russe tat sich besonders hervor und rief immer wieder "Provokateure, Lumpen, Schweine". Zwei Tage dauerte die Reise bis zur Ostsee-Insel. Doch das stimmt nicht. Wohl waren drei Türen des Waggons plombiert, aber die vierte nutzten Platten und die beiden begleitenden deutschen Offiziere, um Milch für die Kinder entgegenzunehmen oder Zeitungen zu kaufen.

Ein Kreidestrich auf dem Boden markierte die Trennung zwischen den "exterritorialen" Abteilen der Russen und denen der Deutschen. Lenin übte sich derweil in der Planwirtschaft.

Da die Raucher unter den Reisenden immer wieder die Toilette blockierten, schnitt er Bezugskarten zu. Nur mit einer Raucherkarte durfte man im Kabuff qualmen. Schon aus wohlerwogenem Eigeninteresse: Und zwar ein Frieden, den man nicht noch militärisch sichern musste, weil er den Deutschen fast ganz Osteuropa zusprach.

Für einen solchen Frieden - ohne Annexionen - hätte die deutsche Führung allerdings den Traum von der Weltmacht aufgeben müssen, und dazu war sie nicht bereit. Stattdessen wählte Berlin weiterhin den bequemen Weg: Am Abend des April gegen 23 Uhr traf Lenin in Petrograd ein.

Während der Reise hatte Lenin aus der Parteizeitung "Prawda" erfahren, dass die Petrograder Bolschewiki den Krieg fortsetzen und die Provisorische Regierung stützen wollten, weil sie Russland noch nicht reif für den Sozialismus hielten.

Noch in der gleichen Nacht verkündete Lenin einen neuen Kurs: Die Verteidigung des Vaterlandes sei "kleinbürgerlich" und ein "Betrug der Bourgeoisie an den Massen". War in Russland erst die Diktatur des Proletariats errichtet, so glaubte Lenin, würde die Weltrevolution folgen. Einen Monat später hatte er seine Partei auf Kurs gebracht.

Für Helphand muss der Richtungswechsel ein später Triumph gewesen sein, denn mit der Forderung, die Macht sofort "in die Hände des Proletariats" zu legen, übernahm Lenin eine Position, die Helphand einst Trotzki nahegebracht hatte. Schon sie allein rechtfertigt die These, dass die Bolschewiki ohne deutsche Hilfe nicht im Herbst an die Macht gelangt wären. Anzeichen von Anarchie waren bereits unübersehbar. Anfang Juli notierten deutsche Diplomaten in Stockholm, was sie über die Lage in Petrograd erfahren hatten: Die Brotration betrug Gramm pro Tag; gleichzeitig brach die Industrieproduktion ein, und die Preise explodierten.

Zermürbt vom Hunger und dem Grabenkrieg desertierten Hunderttausende, oft gelockt von der Nachricht, dass in der Heimat das Land aufgeteilt werde. Einige Tage später notierte der Gesandte in Stockholm, aus Russland eingehenden Berichten zufolge sei "die Zeit nicht mehr fern, wo die Lenin-Gruppe ans Ruder kommt und damit der Friede Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Richard von Kühlmann prahlte gegenüber Hindenburg und dem Kaiser, dass die bolschewistische Bewegung ohne die "stetige weitgehende Unterstützung" des Auswärtigen Amtes nie hätte "den Umfang annehmen und sich den Einfluss erringen können, den sie heute besitzt".

In der Nacht zum 7. November - nach altem russischen Kalender der Oktober - besetzten die Garnisonsregimenter und die Roten Garden, alles in allem nicht mehr als 20 Mann, morgens um zwei Uhr die strategisch wichtigen Punkte; die Gegenwehr war gering und die Machtfrage entschieden. Lenin trat an die Spitze einer Regierung, die sich "Rat der Volkskommissare" nannte. Die staatliche Verwaltung brach nach der Oktoberrevolution zusammen, überall fehlte es am Nötigsten: Das Kaiserreich unter Wilhelm II.

Aber zugleich investierten die Diplomaten Seiner Majestät Millionen, um die Bolschewiki in Zentralrussland an der Macht zu halten, weil nur diese bereit waren, einen deutschen Siegfrieden zu akzeptieren - und weil niemand in Berlin glaubte, dass ein real existierender Sozialismus auf die Beine kommen würde. Es wird vermutlich nie zu klären sein, welche Summen das kaiserliche Deutschland Ende den Bolschewiki zuleitete.

Im Archiv des Auswärtigen Amtes findet sich dazu ein erstaunliches Dokument. Banken verweigern ihr jegliche finanzielle Unterstützung, deren Regierung zur Beschaffung der Lebensmittel für Volk und Heer dringend bedarf Gelingt es ihr durch dringend benötigtes Geld der Schwierigkeiten Herr zu werden und ihre Losung in Volk und Heer durchzusetzen, so wird sie sich halten können, bis Waffenstillstand geschlossen ist.

Dies hat Lenin erkannt, deshalb wendet er sich an uns Oberste Heeresleitung hält es für sehr erwünscht, wenn es gelänge, der Leninschen Regierung Geld zuzuführen. Das Auswärtige Amt drahtete zurück: Wenige Tage später hielt Riezler fest, dass die Bolschewiki "nunmehr Geld haben".

De facto sollten diese Gebiete der deutschen Einflusssphäre zugeschlagen werden. Die russische Delegation war wie vor den Kopf geschlagen und bat um eine Auszeit. Trotzki schlug den Genossen vor, den Krieg einfach für beendet zu erklären und sich ansonsten zu weigern, einen "annexionistischen Frieden zu unterschreiben". Und so geschah es zunächst. Von einem Bündnis mit Lenin, der nun immer radikaler wurde, wollte der Kaiser nichts mehr hören. Die Operation band zwar rund eine Million Soldaten, die an der Westfront dringend benötigt wurden.

Aber Hindenburg erreichte sein Ziel. März unterzeichneten die Bolschewiki dann doch das Friedensdiktat von Brest-Litowsk. Doch aus Lenins Sicht gab es keine Alternative, wie er den widerstrebenden Genossen einhämmerte: Deutsche Diplomaten konnten sich nun vor Ort informieren. Sie registrierten mit Sorge, dass sich im Mai Lenins Lage zuspitzte.

Noch verfügte der Regierungschef nicht über die uneingeschränkte Macht der späteren Jahre. Es gab noch linke Oppositionsparteien wie die Sozialrevolutionäre.

Empört über den Friedensvertrag von Brest-Litowsk und den Vormarsch des deutschen Heeres, verlangten diese eine Wiederaufnahme der Kämpfe an der Seite der Entente oder zumindest einen Partisanenkrieg gegen die kaiserlichen Soldaten. Es sei gelungen, "die Bolschewisten davon abzuhalten, in das Entente-Fahrwasser hinüberzuschwenken", berichtete Staatssekretär Kühlmann am 5. Juni in Berlin. Ihm entging nicht, dass auch die Alliierten Millionen an diverse Dunkelmänner verteilten, um Russland wieder in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen.

Er bezifferte seinen monatlichen Bestechungsbedarf auf etwa drei Millionen Mark: Juli sprachen zwei Sozialrevolutionäre in der Botschaft vor, verlangten den Adligen in einer persönlichen Angelegenheit zu sprechen und zeigten ein Empfehlungsschreiben. Mirbach begab sich mit den Besuchern in sein Arbeitszimmer und setzte sich an den breiten Marmortisch. Nach einigen Sätzen über einen angeblichen entfernten Verwandten des Botschafters zogen die Männer auf einmal Pistolen aus ihren Aktentaschen.

Der Diplomat sprang auf und stürzte los, aber nach wenigen Metern traf ihn ein Schuss in den Hinterkopf. Noch am Tag des Attentats erschien Lenin am Tatort. Sein Beileid wirkte auf die Deutschen "kalt wie eine Hundeschnauze". Sowjetrussland glich inzwischen einer "belagerten Festung": Kaiser Wilhelm trommelte nun für einen Kurswechsel: In dieser Zeit erhielten auch ihre Gegner, etwa die Don-Kosaken oder monarchistische Kreise Millionen aus deutschen Kassen, wie der Historiker Winfried Baumgart schon vor Jahrzehnten in einer spektakulären Studie nachgewiesen hat.

Berlin wollte sich potentielle Nachfolger Lenins gewogen und Alternativen offenhalten. Am Ende setzten sich aber die Befürworter einer Fortführung der taktischen Allianz mit dem bolschewistischen Russland durch.

Die Deutschen gaben Lenin eine Zusage, nicht auf Petrograd zu marschieren, was es diesem ermöglichte, in höchst bedrängter Lage Truppen abzuziehen und an seiner Ostfront einzusetzen.

Dass die scheinbar vor dem Fall stehenden Bolschewiki das Land nach einem Attentat auf Lenin dann mit grausigem Terror überzogen, entging ihren deutschen Verbündeten nicht.

September etwa meldete ein deutscher Hauptmann Eylers aus Petrograd:. Die Leute werden ohne jedes gerichtliche Verfahren in denkbar rohester Weise hingeschlachtet. Lenin wollte nicht, dass sie im Falle seines Sturzes von seinen Gegnern befreit würden. Bis heute streiten Experten, ob Wilhelm II. Dass die beiden füreinander nie viel übrig hatten, ist kein Geheimnis.

Dennoch hatte Wilhelm im März dem Ministerpräsidenten der Provisorischen Regierung gedroht, er werde ihn persönlich dafür verantwortlich machen, sollte der Zarenfamilie ein Haar gekrümmt werden. Gegenüber den Bolschewiki zeigte sich Wilhelm dann nicht so entschlossen.

Die an ihn herangetragene Bitte, dem Zaren Asyl zu gewähren, lehnte Wilhelm mit dem Argument ab, die Russen könnten darin einen Versuch sehen, die Monarchie in Russland wieder einzuführen.

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In modernen Gewächshäusern werden die Rosen gezüchtet und gepflegt, ehe sie für den Export nach Europa verpackt werden. Zum Teil wurde zudem auf biologischen Anbau umgestellt.

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